Promis werben für die Armen

Thomas Gottschalk wirbt für MISEREOR
Das katholische Hilfswerk MISEREOR feierte letztes Jahr seinen 50. Geburtstag. Zum Jubiläum wurde die Kampagne „Mit Zorn und Zärtlichkeit an der Seite von Armen“ ins Leben gerufen. Dabei werben Prominente, wie Moderatorin Maybrit Illner , Schauspielerin Mariella Ahrens oder Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar öffentlich für MISEREOR. „Das sind Menschen, die sich für MISEREOR engagieren und MISEREOR mit ihrer Prominenz unterstützen“. „Das ist doch sehr schön“, sagt Michael Kleine, Abteilungsleiter für Presse- und Öffentlichkeitarbeit bei MISEREOR. Die Geburtstags-Aktion ist heute noch als Plakataktion überall zu sehen. Zudem hat die Organisation eine Homepage erstellt, auf der Interviews mit den Prominenten zu sehen sind.
Auf der Haupt-Internetseite der Organisation sind auch O-Töne von den Promis zu hören. Generell arbeitet MISEREOR auf der eigenen Internetseite sehr multimedial und legt einen großen Wert auf Web-2.0-Kommunikationsmittel, darunter Videos, Audioschnitte und viele Bilder.
Es gibt zahlreiche Organisationen, die auf die Präsenz von Politikern, Sängern oder Schauspielern abzielen, um sie als Botschafter in der Öffentlichkeit zu nutzen. Die Kindernothilfe hatte zum Beispiel vor Kurzem ihr 50. Jubiläum. Zur Jubiläumsfeier war Bundeskanzlerin Angela Merkel, Norbert Blüm, die Pop-Gruppe Reamonn und viele andere Prominente eingeladen.
„Diese Promis sind als Botschafter tätig, die sich langfristig für die Kindernothilfe engagieren“, sagt Pressesprecherin Angelika Böhling von der Kindernothilfe. Die Organisation wurde 1959 in Duisburg mit dem Ziel gegründet, Not leidenden Kindern in Indien zu helfen.
Desweiteren gibt es auch Kooperationen zwischen Hilfsorganisationen, wie „Venro“ (Vereinigung Entwicklungspolitischer Nichtregierungs-Organisationen).Venro ist ein Zusammenschluss von 100 Nichtregierungsorganisationen, die Bundesweit tätig sind. Die Organisation fordert zum Beispiel mit der Werbekampagne „Deine Stimme gegen Armut“ eine Beendigung der Armut auf. Hier sind ebenfalls bekannte nationale und internationale Promis zu sehen, unter anderem Herbert Grönemeyer.
Testimonials als PR-Instrument für NGOs
Welche Intention verfolgen die NGOs mit dem Einsatz von Promis aus allen Bereichen des Showbusiness?
Warum ausgerechnet Testimonials? Jeder kennt die alltäglichen profit-orientierten Werbungen mit Prominenten wie Heidi Klum im Spot für Mc Donalds. Sie haben einen Vertrag mit dem Unternehmen und bekommen Geld für ihre Arbeit. Ob sie auch tatsächlich voll und ganz hinter der Sache stehen, ist eher zweitrangig. Die Bezahlung steht im Vordergrund.
Bei NGO-Aktionen sieht das ganz anders aus: Den Hilfsorganisationen geht es nicht darum, ein Produkt auf den Markt zu bringen, sondern hilfsbedürftige Menschen zu unterstützen. Sie versuchen durch Kampagnen und Aktionen nationale und internationale politische Entscheidungsträger zu beeinflussen und Gesellschaften für ihre Auffassung zu sensibilisieren. Die Präsenz von Prominenz kann dabei sehr hilfreich sein. Nur erhalten die Promis in der Regel für ihre Arbeit keinerlei Bezahlung. Auch muss sich der Promi mit der Organisation identifizieren können, da seine Beteiligung aus eigenem Interesse zustande kommt. Dabei gibt es für sie jedoch auch einen starken Anreiz zur Beteiligung an einer NGO: die eigene Imageverbesserung durch das positive Image der NGO. Es entsteht also eine Win-win-Situation. Die NGO erhält sehr wirkungsvolle PR für die eigene Sache, und der Promi kann sein Image aufpolieren – bzw. seinen Bekanntheitsgrad für eine gute Sache verwenden.
Prominente Testimonials helfen dabei, den Aktionen einer NGO eine weitaus höhere gesellschaftliche Aufmerksamkeit zu verschaffen. Sie können eine starke psychologische Wirkung bezüglich Glaubwürdigkeit und Vertrauen auf die Bevölkerung haben. Durch Promis gewinnt eine NGO an Sympathie, denn es werden bestimmte Stimmungen und Gefühle bei den Menschen ausgelöst.